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Individueller Bildungsurlaub

Sonderurlaub für die persönliche Weiterbildung in Anspruch nehmen

Arbeitnehmer, Selbstständige und Freiberufler können individuellen Urlaub zur Weiterbildung oder einfach Bildungsurlaub beantragen, d. h. bezahlten Sonderurlaub, der im Laufe des Berufslebens bis zu 80 Tagen betragen kann.

01 Einzelheiten

Um den individuellen Bildungsurlaub in Anspruch nehmen zu können, müssen Arbeitnehmer:

  • üblicherweise an einem in Luxemburg gelegenen Arbeitsplatz beschäftigt sein,
  • über einen Arbeitsvertrag bei einem Unternehmen oder einer ordnungsgemäß in Luxemburg niedergelassenen und tätigen Vereinigung angestellt sein,
  • zum Zeitpunkt der Beantragung des Urlaubs mindestens 6 Monate bei ihrem Arbeitgeber beschäftigt sein.

Selbstständige und Freiberufler müssen seit mindestens 2 Jahren Mitglied bei der luxemburgischen Sozialversicherung sein.

Die Bewerber müssen keine Voraussetzungen hinsichtlich Alter oder Wohnsitz erfüllen.

Der individuelle Bildungsurlaub ermöglicht:

  • die Teilnahme an Weiterbildungen,
  • die eigene Vorbereitung auf und Teilnahme an Prüfungen,
  • die Verfassung von Abschlussarbeiten,
  • die Erledigung aller sonstigen Arbeiten im Zusammenhang mit einer förderungsfähigen Weiterbildung.

02 Beispiele

Pierre, Inhaber eines CATP/DAP, bereitet sich auf seine Meisterprüfung vor

Pierre (25), Inhaber eines Gesellenbriefs (CATP/DAP), arbeitet seit 2 Jahren bei einem Friseur. Er möchte jedoch seinen eigenen Salon eröffnen und Unternehmer werden. Er ergreift die Initiative und meldet sich für eine Weiterbildung zur Erlangung des Meisterbriefs an, die in der Regel 3 Jahre dauert.

Pierre erkundigt sich über die Modalitäten des individuellen Bildungsurlaubs, denn er hat erfahren, dass seine Weiterbildung im Rahmen dieses Urlaubs förderfähig ist. Pro Zeitraum von 2 Jahren hat er Anspruch auf maximal 20 zusätzliche bezahlte Urlaubstage. Auch wenn ihm die genaue Zahl vom zuständigen Ministerium noch mitgeteilt wird, weiß Pierre bereits, dass 3 Tage Weiterbildung normalerweise einen Anspruch auf 1 Urlaubstag begründen. Um seine Abwesenheit auszugleichen, erhält sein Arbeitgeber vom Staat eine Entschädigung.

Marie, Erziehungshelferin, macht eine berufsbegleitende Weiterbildung, um Erzieherin zu werden.

Marie ist 30 Jahre alt und arbeitet seit Kurzem in einem Schülerhort in Luxemburg, wo sie als Erziehungshelferin angestellt ist. Der Beruf gefällt ihr und sie ist bereit, wieder mit dem Lernen anzufangen. Sie meldet sich an einer Schule in Belgien an, die die Möglichkeit bietet, in einer berufsbegleitenden Weiterbildung einen Abschluss als Sozialpädagogin zu erlangen.

Das Diplom wird in Luxemburg anerkannt. Um zusätzliche bezahlte Urlaubstage in Anspruch nehmen zu können, muss sie beim Ministerium für Bildung, Kinder und Jugend (Ministère de l’Education nationale, de l’Enfance et de la Jeunesse - MENJE) einen Antrag auf individuellen Bildungsurlaub stellen. Zusätzlich zu diesem Sonderurlaub möchte Marie die Immatrikulationsgebühren von ihrer Steuer absetzen.

Sie erkundigt sich beim zuständigen Steueramt: wenn die Rechnung den Pauschbetrag von 540 €, der jedem Arbeitnehmer zusteht, überschreitet, kann Marie diese Kosten auf ihrer Steuererklärung absetzen.

Kevin ist ein junger Betriebswirt und bereitet sich per Fernstudium auf den Abschluss in einem Spezialgebiet vor

Kevin (26) arbeitet seit einem Jahr bei einem luxemburgischen Finanzinstitut. Um beruflich schnell aufzusteigen, möchte er sich spezialisieren und für ein Fernstudium anmelden. Das erhaltene Diplom wird in Luxemburg anerkannt. Nach Verhandlungen mit seinem Arbeitgeber ist dieser bereit, die Hälfte der Kosten zu übernehmen.

Sein Arbeitgeber kann diese Ausgaben im Kofinanzierungsantrag in Sachen Weiterbildung angeben, den er beim Bildungsministerium einreicht. Kevin stellt alle Unterlagen und Nachweise zusammen, die für die Beantragung eines individuellen Bildungsurlaubs erforderlich sind.

Dieser Sonderurlaub ist für ihn und sein Unternehmen in zweifacher Hinsicht von Vorteil: Kevin erhält zusätzliche Urlaubstage (3 Tage Weiterbildung = 1 Urlaubstag) und das Unternehmen erhält eine Entschädigung für die Sonderurlaubstage, die Kevin gewährt werden.

03 Förderungsfähige Weiterbildungen

Folgende Einrichtungen können in Luxemburg oder im Ausland förderungsfähige Weiterbildungen anbieten:

  • Einrichtungen, die den Status einer von den staatlichen Behörden anerkannten öffentlichen oder privaten Schule besitzen und von diesen Behörden anerkannte Zeugnisse ausstellen,
  • die Berufskammern,
  • die Gemeinden,
  • Stiftungen, natürliche Personen und private Vereinigungen, die nach Einzelfallentscheidung von dem für die Berufsbildung zuständigen Minister zu diesem Zweck zugelassen sind,
  • Ministerien, Verwaltungen und öffentlich-rechtliche Anstalten.

Die Weiterbildungen müssen nicht in direktem Zusammenhang mit dem derzeitigen Arbeitsplatz stehen. Sie können während der Arbeitszeit, in Abendkursen oder am Wochenende stattfinden.


Weiterbildungsmaßnahmen, die aufgrund anderer rechtlicher Bestimmungen finanziert werden, sind nicht förderungsfähig.

04 Vorgehensweise

Der Arbeitnehmer stellt seinen Antrag 2 Monate vor Beginn des beantragten Urlaubs bei der Abteilung für berufliche Weiterbildung (Service de la formation professionnelle) des Ministeriums für Bildung, Kinder und Jugend. Hierzu muss er:

  • das Antragsformular herunterladen und ausfüllen,
  • die Stellungnahme seines Arbeitgebers zum Antrag einholen,
  • dem Ministerium für Bildung, Kinder und Jugend das ordnungsgemäß ausgefüllte Formular zusammen mit den verlangten Nachweisen (Arbeitsvertrag, Bescheinigung über die Anmeldung oder Voranmeldung, Sozialversicherungsnachweis) zusenden.

Dem Arbeitnehmer wird die ihm zustehende Anzahl an Urlaubstagen per Post mitgeteilt. Nach der Weiterbildung muss er dem Arbeitgeber die Teilnahmebescheinigungen vorlegen.

Der Arbeitgeber muss:

  • eine Stellungnahme zum Antrag des Arbeitnehmers abgeben,
  • das Rückerstattungsformular herunterladen und ausfüllen und die verlangten Nachweise beifügen (Teilnahmebescheinigung(en), Lohnzettel für den entsprechenden Zeitraum, Arbeitgeberbescheinigung mit Angabe des jeweiligen genauen Datums der tatsächlich genommenen Bildungsurlaubstage, Kopie der ministeriellen Genehmigung usw.),
  • das vollständig ausgefüllte Formular zusammen mit den Nachweisen an das MENJE schicken.

Für Selbstständige und Freiberufler gilt die gleiche Vorgehensweise. Lediglich die Formulare und verlangten Nachweise sind unterschiedlich. Im Anschluss an die Weiterbildung füllt der Selbstständige/Freiberufler einen Rückerstattungsantrag aus, dem eine Teilnahmebescheinigung und eine Einkommensbescheinigung beizufügen sind.

Negative Stellungnahme des Arbeitgebers 

Bei negativer Stellungnahme des Arbeitgebers:

  • kann der Urlaub verschoben werden, wenn sich die urlaubsbedingte Abwesenheit in erheblichem Maße negativ auf den Unternehmensbetrieb oder die reibungslose Organisation des bezahlten Jahresurlaubs des Personals auswirken könnte,
  • kann der Arbeitnehmer trotzdem seinen Antrag beim MENJE einreichen. Das MENJE leitet ihn an eine Beratungskommission weiter, die eine Stellungnahme zu der Aufschubfrist abgibt. Das MENJE trifft seine Entscheidung aufgrund dieser Stellungnahme.

05 Anzahl der Tage und Dauer

Ermittlung der Anzahl der Tage

Die Gesamtanzahl der Bildungsurlaubstage hängt von der Dauer der Weiterbildung in Stunden ab, die vom Weiterbildungsinstitut festgelegt wird.

Die Anzahl der Stunden an Weiterbildung wird in die Anzahl der Arbeitstage umgewandelt: 8 Stunden Weiterbildung = 1 Arbeitstag.
Der so errechnete Quotient wird durch 3 geteilt, um die Anzahl der Tage an Bildungsurlaub zu erhalten.
Das Ergebnis wird gegebenenfalls abgerundet.

Rechenbeispiel für eine 30-stündige Weiterbildung

30 : 8 = 3,75 Arbeitstage
3,75 : 3 = 1,25 Tage Bildungsurlaub (abzurunden)
Eine 30-stündige Weiterbildung berechtigt zu 1 Tag Bildungsurlaub.

Höchstdauer

Jedem Anspruchsberechtigen stehen 80 Tage Bildungsurlaub zu, die er im Verlauf seines Berufslebens nehmen kann. Während eines Zeitraums von 2 Jahren können höchstens 20 Tage Bildungsurlaub gewährt werden. Jeder Zweijahreszeitraum beginnt mit dem Jahr des ersten individuellen Bildungsurlaubs.

Mindestdauer

Die Mindestdauer des Bildungsurlaubs beträgt 1 Tag. Der Antragsteller muss sich für eine Weiterbildung von mindestens 24 Stunden anmelden, damit sein Bildungsurlaub zulässig ist (24 Stunden / 8 = 3 Arbeitstage / 3 = 1 Tag Bildungsurlaub).

Bei Teilzeitbeschäftigten werden die Tage für Bildungsurlaub im Verhältnis zur Arbeitszeit berechnet.

Während des Bildungsurlaubs bleiben die gesetzlichen Bestimmungen in Sachen Sozialversicherung und Kündigungsschutz weiterhin in Kraft.


06 Ausgleichsentschädigung

Jeder bewilligte Urlaubstag, gewährt dem Arbeitnehmer Anspruch auf eine Ausgleichsentschädigung in Höhe seines durchschnittlichen vom Arbeitgeber gezahlten Tageslohns. Der Arbeitgeber streckt die Entschädigung vor und lässt sich vom Staat den Betrag der Entschädigung und den Arbeitgeberanteil an den Sozialabgaben erstatten.

Bei Selbstständigen und Freiberuflern wird die vom Staat gezahlte Ausgleichsentschädigung auf der Grundlage des Einkommens ermittelt, das für das letzte beitragspflichtige Geschäftsjahr als Bemessungsgrundlage für die Rentenversicherung gedient hat.

Die Ausgleichsentschädigung kann höchstens das Vierfache des sozialen Mindestlohns für nicht qualifizierte Beschäftigte betragen (7.994,36 €/Index 794,54 zum 1. Januar 2017).

 

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